Damals: Die Bahnhofsrestauration Laubenbachmühle

Wer heute mit der Mariazellerbahn – der berühmten „Himmelstreppe“ – durch das obere Pielachtal in Richtung Naturpark Ötscher-Tormäuer fährt, begibt sich auch auf eine spannende Zeitreise. Ein besonderes historisches Juwel dieser Strecke ist die Station Laubenbachmühle, deren Geschichte untrennbar mit der Gastfreundschaft und der touristischen Entwicklung im Dirndltal verbunden ist. Wir danken Historiker Bernhard Gamsjäger für die Infos zum folgenden Artikel.

Pionierarbeit auf Schienen: Die Entwicklung der Bahn

Die Mariazellerbahn, heute das Wahrzeichen und die wichtigste Mobilitäts-Achse der Region, blickt auf eine beeindruckende Geschichte zurück. Im Jahr 1905 wurde der Streckenabschnitt bis Laubenbachmühle, damals noch unter dem Namen „Niederösterreichisch-steirische Alpenbahn“, feierlich eröffnet. Nur wenige Jahre später, 1907, war die gesamte Strecke bis Mariazell fertiggestellt, bevor sie bereits 1911 elektrifiziert wurde.

Kulinarik und Gastfreundschaft an der Strecke: Restauration Toniutti

Die Bahnhofsrestauration Laubenbachmühle war von Beginn an ein zentraler Anlaufpunkt. Zwischen 1905 und 1909 hielt Gregor Gansch die Konzession, bevor Franz Toniutti sen. (aus Klagenfurt stammend) den Betrieb im Jahr 1909 übernahm. In dieser Zeit war der Aufenthalt im Bahnhof noch von einer besonderen Gemütlichkeit geprägt:

  • Längere Aufenthalte: Da die Dampflokomotiven in Laubenbachmühle Wasser nachfüllen und Kohle fassen mussten, blieb den Reisenden genug Zeit für eine Stärkung.
  • Regionale Spezialitäten: Verkauft wurden damals vor allem Most und Geselchtes, Bier, Kaffee sowie „Kracherln“ in Glasflaschen, die noch gläserne Kugeln als Verschluss hatten.
  • Historisches Ambiente: Bis zur Elektrifizierung wurde das Haus noch mit Petroleumlicht und Kerzen beleuchtet.
Franz Toniutti jun.
Der „Restaurateur“ Franz Toniutti vor dem Bahnhof Laubenbachmühle.

Bernhard Gamsjäger weiß: „Zu Toniuttis Zeit hielt jeder Zug in Laubenbachmühle etwas länger, damit sich die Reisenden eine Stärkung kaufen konnten. In einem Zeitungsinterview berichtete der Restaurateur Franz Toniutti jun. (1898-1976), dass er als 12-jähriger Bub dabei war, als am 7. Okt. 1911 an der Spitze eines Sonderzuges die erst elektrische Lok in Laubenbachmühle einfuhrt: „Solange es noch Dampfbetrieb gab auf dieser Strecke gab es nur Petroleumlicht und Kerzen im Haus. Bei unserer Station beginnt der Berg. Da wurde in die Maschinen Wasser nachgetankt und der Kohlenvorrat erneuert. Das bedeutete jedesmal einen längeren Aufenthalt. Es war eine recht gemütliche Zeit. Was wir damals verkauften? Most und Geselchtes, Bier und Kaffee, Kracherln in Flaschen, die noch gläserne Kugeln als Verschluss hatten.“

Ein langes Leben im Tal: Die Gastfreundschaft scheint im Pielachtal jung zu halten – Lisa Toniutti, die über Jahrzehnte im Betrieb ihres Mannes Franz jun. mitarbeitete (auch nach deren Trennung!) und für ihre Geselligkeit bekannt war, erreichte das stolze Alter von 104 Jahren. In geselliger Runde stimmte Lisa gerne ein Lied an, u. a. das wienerische „Heut war die alte Zeit bei mir“.

Bistro Laubenbachmühle heute

Heute ist die Mariazellerbahn weit mehr als nur ein Transportmittel. Als „Wanderbahn“ erschließt sie die Region bis in den Naturpark Ötscher-Tormäuer und verbindet zahlreiche Wanderwege, die direkt an den Bahnhöfen ihren Ausgangspunkt haben – ein perfektes Beispiel für die Verknüpfung von Tradition und sanftem Tourismus. Mit dem modernen Bistro am Betriebsbahnhof Laubenbachmühle schließt sich der Kreis und es gibt auch heute am Bahnhof Laubenbachmühle feinste Kulinarik auf der Bahnstrecke.

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