Die Dirndl

Im Dirndltal wird die Dirndlfrucht traditionell zur Herstellung vieler regionaler Produkte verwendet. In der Region wird auch der Strauch bzw. Dirndlbaum als „Dirndl“ bezeichnet.

Die Dirndl ist, um genau zu sein, die Frucht des Dirndlstrauchs (Cornus mas), der im Volksmund auch als Gelber Hartriegel oder (in Deutschland) Kornelkirsche bezeichnet wird. Es handelt sich um eine kleine, leuchtend rote Steinfrucht, die nicht mit der Kirsche verwandt ist.

Dirndl mit Blütenknospen

Besonderheiten der Dirndl

Der Dirndlstrauch ist eine Wildpflanze. Daraus ergibt sich, dass sie äußerst robust ist. So wächst sie auch in steinigem Gelände mit wenig Humus. 

Sie ist ein Symbol für die regionale Identität im Dirndltal. Und auch für die Nachhaltigkeit steht die Dirndl. Ihr Holz ist extrem hart und dicht, so dass es im Wasser nicht schwimmt. 

Auf einen Blick – die Dirndl…

Dirndlkulinarik

Dirndl: FAQ, Trivia & Fun-Facts

An dieser Stelle sammeln und beantworten wir häufige Fragen rund um die Dirndlfrucht bzw. den Dirndlstrauch. Im untenstehenden Katalog werden Sie auch so manch kuriose Fun-Facts rund um die namensgebende Frucht des Dirndltals entdecken.

Die Dirndlfrucht ist ein wahres kulinarisches und gesundheitliches Multitalent.

Kulinarisch: Sie wird zu schmackhaften Spezialitäten verarbeitet, darunter Marmeladen, Säfte, Edelbrände (Dirndlbrand), Schokoladen und als „Dirndl-Oliven“. Dirndl-Marmelade passt hervorragend zu Mehlspeisen, Wildgerichten oder Käse.

Gesundheit: Die Dirndl ist eine Vitamin C-Bombe (3 mal so viel Vitamin C wie die Zitrone). Sie enthält reichlich Kalium, Eisen und weitere wertvolle Inhaltsstoffe, die traditionell in der Volksmedizin (schon bei Hildegard von Bingen) bei Magen- und Darmproblemen eingesetzt wurden. Besonders geschätzt werden die vielen Biophenole als echte Radikalfänger (Krebsprävention).

Der Name „Dirndl“ (in Bezug auf die Pflanze) hat seinen Ursprung im Slawischen. Er leitet sich vom slawischen Wort „dernu“ ab, was „hart“ bedeutet und sich auf das extrem harte Holz des Strauchs bezieht. Die bajuwarischen Siedler, die ab dem 7. Jahrhundert in den Osten vordrangen, übernahmen das Wort. Daraus entwickelte sich zunächst „dirlitze“, woraus später „Dirndl“ wurde.

Das heißt, Dirndl hat im Tal eine dreifache Bedeutung:

● Dirndl, das traditionelle Kleid

● Dirndl, das Mädchen

● Dirndl, die Frucht

Die Dirndl blüht sehr früh im Jahr, in der Regel von Mitte/Ende Februar bis Ende März. Sie ist damit der früheste Blüher im Tal. Das Besondere ist, dass die intensiv-gelben Blüten in reicher Pracht erscheinen, noch lange bevor der Strauch Blätter austreibt.

Der Dirndlstrauch ist der früheste Blüher im Pielachtal. Der Grund dafür ist, dass dieser Strauch schon im August die Blütenknospen für das kommende Jahr fix-fertig ausgebildet hat. Schon ab Februar bis Ende März (lange vor dem Blattaustrieb) bringt die Pflanze eine reiche Pracht an intensiv-gelben Blüten hervor. Damit ist sie eine wichtige und erste Nahrungsquelle für Wildbienen (speziell Hummeln) und andere Insekten.

Cornetum ist eine Dirndl-Sammlung. Gesammelt werden dabei Dirndlstauden unterschiedlicher Herkunft. In Anlehnung an „Arboretum“, die Baumsammlung. Mehr dazu: Cornetum im Steinschaler Wiki

Der Name „Dirndl“ ist gleichlautend für: die Frucht, das Mädchen, das traditionelle Trachtenkleid. Es ist schlichtweg eine saloppe Bezeichnung aus der Region. Interessanterweise leitet sich der Name der Pflanze nicht vom Mädchen oder Kleid ab, sondern vom altslawischen
Wort „hart“.

Hildegard von Bingen, die bedeutende Naturheilkundlerin des Mittelalters, schätzte die Dirndl  bereits im 12. Jahrhundert sehr und widmete ihr in ihrem medizinischen Werk Physica ein eigenes Kapitel.

Für Hildegard von Bingen war die Dirndl – von ihr als „Erlizbaum“ bezeichnet – eine Frucht mit „milder Wärme“ und „süßer Feuchtigkeit“. Sie empfahl die Frucht insbesondere für die Stärkung und Reinigung des Verdauungstrakts.

Magen-Darm-Gesundheit: Hildegard setzte die Dirndl ein, um sowohl den schwachen als auch den gesunden Magen zu reinigen und zu festigen. Sie empfahl den Genuss der Früchte bei Magenschmerzen und zur allgemeinen Darmreinigung.

Linderung bei Gicht: Neben der inneren Anwendung empfahl sie ein Bad aus der Rinde, dem Holz und den Blättern des Dirndlstrauchs, um Gicht und rheumatische Beschwerden zu lindern.

Wirkung bei Durchfall: Aufgrund der enthaltenen Gerbstoffe wurde ein Absud aus der Pflanze von ihr auch zur Behandlung von Durchfall (wegen der stopfenden Wirkung) und anderen Darmleiden verabreicht.

Diese historischen Erkenntnisse decken sich mit dem heutigen Wissen über die Inhaltsstoffe der Frucht im Dirndltal. Die Dirndl gilt als wahre Vitamin-C-Bombe (sie enthält etwa dreimal so viel Vitamin C wie eine Zitrone) und ist reich an Kalium, Eisen sowie wertvollen Biophenolen, die als Radikalfänger dienen.

Die Dirndl wird nicht in Plantagen bewirtschaftet sondern steht verstreut in der Kulturlandschaft. Damit ist sie speziell bei der Dirndlblüte immer wieder ein optisches Highlight bei Wanderungen.

Der Dirndlkirtag ist das Highlight und die zentrale Leistungsschau rund um die Dirndl im Dirndltal. Er findet alle zwei Jahre am letzten Wochenende im September statt. Neben zahlreichen Dirndlprodukten und einem umfassenden Rahmenprogramm wird dabei die Dirndlkönigin gewählt und vorgestellt, deren Regentschaft zwei Jahre dauert.

Ja, absolut! Die Dirndlfrucht ist ein „kulinarischer Riese“. Dirndlprodukte haben eine breite Einsatzpalette in der Küche: von Vorspeisen, über Hauptspeisen, bin hin zu köstlichen Desserts mit Dirndln. Beliebt ist die Dirndl bei Mixgetränken. Zum Beispiel Dirndlsirup mit Sekt als „Dirndl Royal“. Oder auch ein Spritzer Dirndlsirup in einen G’spritzen (Wein) mit Soda.

Gekocht wird mit Dirndlprodukten. Das heißt: Dirndlmarmelade, Dirndlchutney, Dirndloliven etc. – da die Dirndl nur 6 Wochen (im Rahmen der Erntezeit) verfügbar ist.

Ja, natürlich. Beispielsweise den Dirndlkren-Aufstrich. Dieser ist rasch zubereitet. Man nehme Topfen, einige Esslöffel Dirndlchutney oder Dirndlmarmelade, frischgeriebenen Kren, etwas Salz und Pfeffer. Man vermische dies alles und der köstliche Dirndlkrenaufstrich ist fertig.

Die Dirndl wird nicht gepflückt. Die vollreifen Dirndlfrüchte fallen vom Baum/Strauch und werden in Netzen aufgefangen. Das Schütteln der Sträucher ist hingegen verpönt und mindert die Qualität der Ernte.

Dirndlschnaps ist eine österreichweit eingetragene Marke. Da die Dirndl wenig Zucker hat braucht man zwischen 20 und 22 Kilo Frucht für einen Liter guten Dirndlbrand. Dirndlschnaps wurde früher auch als Zahlungsmittel verwendet.

Die Wildform der Dirndl hat im Schnitt ein Fruchtgewicht von 3 Gramm. Das heißt: Für ein Kilo Frucht benötigt man ca. 330 Dirndlfrüchte. Davon sind ca. 45–50% der Kernanteil.

Es gibt im Tal einige hochmoderne Entkernmaschinen. Für den Hausgebrauch ist immer noch die „Flotte Lotte“ das probate Gerät dafür. Das Problem bei der Entkernung ist, dass das Fruchtfleisch fest mit dem Kern verwachsen ist.

Die Dirndlernte beginnt je nach Jahr (eher kalt oder warm) ca. Mitte August. Die ersten Dirndl, die reif sind, werden als Frondirndl bezeichnet. Der Name leitet sich vom 15. August (Maria Himmelfahrt) ab, der in der Region als „Frontag“ geläufig ist. Dirndl, die im September reifen, werden als „Steindirndl“ bezeichnet. Das Ende der Dirndlernte ist Anfang Oktober.

Die Dirndl mag es sonnig und nicht wurzelnass. Dirndl ist daher im Tal besonders häufig an den Südseiten zu finden. Präferiert wird ein Standort unter 1.000 Höhenmetern, die Tendenz ist jedoch steigend.

Grundsätzlich hat jede Pflanze Stellen, wo sie besonders gut gedeiht. Dazu gibt es Reihe von Faktoren: Bodenbeschaffenheit, Wasserversorgung, Sonneneinstrahlung. Sowohl solitär als auch in Hecken.

Dirndl wächst hingegen schlecht im sauren Boden. Denn sie liebt basischen oder neutralen Boden und ist daher besonders in kalkhaltigen Regionen zu finden. Paradebeispiel dafür ist der kroatisch-bosnische Karst.

Es gibt 2 Cornus-Arten in Mitteleuropa: den gelben Hartriegel und roten Hartriegel. Der weiße Hartriegel wird außerdem als Zierpflanze verwendet.

In Nordamerika ist der bekannteste wohl der Florida-Blütenhartriegel, welcher allerdings nur Samenstände aber keine Blüten besitzt.

Im asiatischen Bereich gibt es viele verschiedene Arten, der Herausragendste ist der Japanische Blumenhartriegel (Conrus Kusa).

Weitaus weniger Arten gibt es am afrikanischen Kontinent. Mit dem Cornus volkensii (Kilimanjaro Hartriegel) hat es jedoch eine Art geschafft der Hitze durch Höhenmeter entkommen zu können.

Ja, es sind über 20 Zuchtdirndlsorten bekannt. Diese haben jedoch im Dirndltal keinen Stellenwert, weil die Region auf die regionalen autochthonen, kleinfruchtigen Dirndl setzt. Pflanzversuche von veredelten Dirndl haben in der Vergangenheit gezeigt, das die Wärmesumme nicht alljährlich ausreicht, um die großfruchtigen Sorten ganz ausreifen zu lassen.

Der Ziegenhainer war ein besonders kostbarer Spazierstock aus Dirndlholz. Trotz seines außergewöhnlichen Gewichts (eigentlich absurd für einen Spazierstock, könnte man meinen) galt er als äußerst prestigeträchtig und stand für Qualität, Beständigkeit und sozialen Status.

Ja, sie wurden in der Vergangenheit an Grundgrenzen gepflanzt. Diese sind sehr häufig im Tal zu finden. In aller Regel in einer Mischung mit Haselnuss. Da die Dirndl sehr schnittfreudig ist, wurde sie immer wieder bei z.B. barocken Gebäuden als beschnittene Hecke verwendet.

Zeuler ist ein typisch mostviertler Name (leitet sich von Zeile ab, direkt hintereinander gepflanzt – also Hecken).
Dirndl wurde an Grundgrenzen entlang als Grenzpflanze gepflanzt. So ergab sich der Begriff „Dirndlzeuler“ als umgangssprachliche Bezeichnung.

Die Dirndl gehört zur Familie der Hartriegelgewächse (Cornus). Die Olive gehört zur Familie der Ölbaumgewächse (Oleaceae). Frucht von beiden hat einen länglichen Kern. Dirndl werden als Oliven eingelegt verwendet. Weitere Gemeinsamkeit: Beide Pflanzen werden in der Regel extrem alt.

Ist die Dirndl gar männlich? Wer im Lateinunterricht aufgepasst hat, stutzt hier kurz: Mas bedeutet nämlich tatsächlich männlichDer Name „Cornus“ bezieht sich jedoch nicht auf die Blüten, sondern auf das Holz. „Cornus“ kommt vom lateinischen Wort für „Horn“ und unterstreicht die Härte und Robustheit des Holzes, das so dicht ist, dass es im Wasser nicht einmal schwimmt.